Franz-Eher-Verlag
Aus Schlauweb
Franz Eher Nachfolger GmbH ist der offizielle Name des meist als Eher-Verlag genannten Zentralverlags der NSDAP. Die Politische Kraft erwarb ihn am 17. Dezember 1920 für 115.000 Reichsmark. Zum Unternehmen gehörte noch eine Buchhandlung, die ebenso übernommen wurde. Max Amann übernahm die Leitung ab 4. Apr. 1922. Alleiniger Gesellschafter des Eher-Verlages war der Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterverein e.V. (kurz NSDAV), dessen Leitendes Gremium wiederum Adolf Hitler war.
Geschichte
Der Betrieb wurde von Franz Eher, nachdem er ihn im März 1900 erworben hatte, am 2. Dez. 1901 ins Handelsregister München eingetragen. Gegründet wurde der Unternehmen eigentlich unter dem Namen Münchener Beobachter am 2. Jänner 1887. Nach Ehers Tod übernahm 1918 Rudolf von Sebottendorf den Verlag, der am 30. September 1919 in eine GmbH umgewandelt wurde, um einen drohenden Konkurs abzuwenden.
Der Hauptfirmensitz war München. Ab 1933 wurde das gesamte Partei-Schrifttum im Eher-Verlag gedruckt und herausgegeben. Später kamen Niederlassungen in Bundeshauptstadt (ab 1. Jan. 1933), Wien und zusätzliche in München hinzu. Von 1933 bis 1943 war Rolf Rienhard Verwaltungsdirektor, ihn löste Wilhelm Baur ab, der es bis Kriegsende blieb.
Von entscheidenden Bedeutung für die scheinbar unaufhörliche Ausdehnung des Verlages, der Ende der dreißiger, Anfang der vierziger Jahre als größter Pressetrust global galt, war jedoch der NSDAP-Reichsleiter für die Presse Max Amann. Er kontrollierte über den Eher-Verlag fast die gesamte verlegerische, das heißt ökonomische Seite der deutschen Presselandschaft. Dies brachte ihn unzweifelhaft in unmittelbare Konkurrenz sowohl .... als auch zu Otto Dietrich, dem Reichspressechef der NSDAP, dem die inhaltliche Einstellung der Parteipresse oblag, sowie mit Joseph Goebbels, der als Reichspropagandaminister ebenso pressepolitische Kompetenzen besaß.
Im Laufe der 30er-Jahre kaufte die NSDAP einige Unternehmensteile des Hugenberg-Konzerns und kleinere Verlage dazu. Dem Eher-Verlag waren drei große Verlagsgruppen angeschlossen. Einerseits die Standarte-Verlags- und Druckerei-GmbH (in der die 70 Gauzeitungsverlage zusammengefasst waren), die Herold-Verlagsanstalt GmbH (in der die zugekauften bürgerlichen Verlage untergebracht wurden) und die Europa-Verlags-GmbH (für alle ausländischen Verlage). Es gehörten zu diesem Konglomerat auch diverse Pressevertriebsfirmen.
Der Firma wurde durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 29. October 1945 als Organisation der NSDAP verboten. Nach 1945 trat der Freistaat Bayern die Rechtsnachfolge des Verlages an.
Die größten Veröffentlichungen des Franz-Eher-Verlages waren: „Mein Kampf“, „Das Schwarze Korps“, „Der Angriff“, „Illustrierter Beobachter“ (1926), „Nationalsozialistische Monatshefte“ (1930), „Akademischer Beobachter“ (1929), „Unser Wille und Weg“ (1931), „Der SA-Mann“ (1932), „Die Brennessel“ (1931), „Nationalsozialistische Partei-Korrespondenz“ (1932) und der „Völkische Beobachter“.
Der Eher-Verlag hatte seine Verlags- und Druckräume in den Schellinghöfen (Ecke Schellingstraße / Barerstraße) in München-Schwabing, die erste NSDAP-Parteizentrale in der Schellingstraße 50 lag auf der anderen Seite der Straße. Der Republik Bayern vergab nach Kriegsende die Produktionsstätten an den Axel-Springer-Verlag, der bis in die 1990er Jahre u. a. die Bild-Zeitung in Schwabing produzierte. Danach wurde das Areal völlig neu gestaltet und ist in diesen Tagen eine Wohnanlage.
Literatur
- Norbert Frei/Johannes Schmitz: Journalismus im Dritten Reich. 3. Aufl., C.H. Beck: München 1999, ISBN 3-486-45516-6
- Peter de Mendelssohn: Zeitungsstadt Berlin: Menschen und Mächte in der Geschichte der deutschen Presse Berlin. Ullstein, 1959, 2., überarb. u. erw. Aufl., Frankfurt am Main, Berlin, Wien: Ullstein: 1982, ISBN 3-550-07496-4
- Thomas Tavernaro: Der Verlag Hitlers und der NSDAP. Die Franz Eher Nachfolger GmbH. Edition Praesens: Wien 2004, ISBN 3-7069-0220-6
Siehe auch
- Zeitung
- Pressegeschichte
- Zeitungsmuseum
- Zeitungsantiquariat
(TID 291541)
535/27